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Die Woche der Erstanpassung Teil 2 (Cyborg Part 5)

Mittwoch Morgens ging es dann wieder zur Anpassung.
Natürlich erzählte ich dann auch von dem Erfolg des Hörbuch hören und auch vom missglückten Telefonat.
Zitat von mir: „hätte meine Frau damals eine solche Stimme gehabt wie gestern beim telefonieren, hätte ich sie nicht geheiratet“
Das mit dem Hörbuch erstaunte ihn dann auch ein wenig und das mit dem Telefon fand er ziemlich lustig.
Im Anschluss bastelten wir dann wieder an den Frequenzen/Elektroden herum.
So wirklich gut war das aber nickt was dabei heraus kam. Ich hatte immer irgend so ein Störgeräusch bei allen Tönen. Dieses überlagerte den eigentlichen Ton den ich hören sollte.
Ok, gibt sich vielleicht.
Im Anschluss dann wieder Hörtraining mit Frau *******. Diese war dann auch schon vom nicht heiraten wollen wegen Stimme Spruch informiert. Kurzer Smalltalk deswegen und dann die Hörübungen.
Da mir Frau ******* nicht so wirklich glauben wollte das ich beim Hörbuch fast alles verstanden habe, machten sie sogleich einen Test.
Sie hat mir eine Geschichte vorgelesen und ich musste die Sätze wiederholen. Dabei hörte ich nur mit dem CI, war von ihr abgewendet und zusätzlich hatte sie ihr Gesicht verdeckt, damit ich nicht vom Mund ablesen konnte. Bis auf ganz wenige Worte konnte ich die Sätze komplett wiederholen. Nahezu perfekt wie sie meinte. Da war nicht mehr viel mit hören üben, denn die anderen Übungen waren leicht.

Ab ging es zum Mittag essen in die Mensa. Robin habe ich verpasst und erst nach dem Essen draußen vor der Mensa getroffen. Wir sollten anschließend zusammen zum Gruppenhörtraining gehen. Da mir aber Herr Kantert, der Ingenieur über den Weg gelaufen ist, beschlossen wir noch schnell eine Anpassung der CI vorzunehmen, da mich die Störgeräusche dann doch sehr irritierten. Es war wie ein Hupen was die ganze Zeit vorhanden war.
Den Ton haben wir nicht ganz eliminieren können, war aber bedeutend besser geworden.
An der Stelle auch ein Dank an Herrn ******** der so unkompliziert noch schnell eine Anpassung vorgenommen hat. Da fühlt man sich doch gut versorgt und erst genommen bei Hörzentrum.

Dann Gruppenhörtraining.
Alle Erstanpassungspatienten war da. Jeder hat einen Empfänger bekommen mit einer Induktionsschleife. Diese legt man sich um den Hals und mit der Telefonspule im Soundprozessor wird diese induktiv gekoppelt.
Die Therapeutin, in dem Fall Frau ***********, trägt ein Mikro samt Sender. So soll sichergestellt werden, das alle gut verstehen können, egal wie weit man von ihr entfernt sitzt.
Sollte. Denn so wirklich gut funktionierte das nicht. Egal was ich am Soundprozessor einstellte, ohne Induktionsschleife habe ich sie besser verstanden. Also habe ich diese abgelegt. Robin übrigens ebenfalls.
Man macht dann verschiedene Übungen.
Bei einer zum Beispiel bekommt man ein Blatt Papier auf dem ein Gegenstand genannt ist. Diesen muss man erklären, ohne ihn zu nennen. Die anderen müssen dann den Gegenstand erraten. Ist so wie Montagsmaler1  ohne malen. Mitunter geht es dabei sehr lustig zu. Z.B. sollte jemand Kastanie erklären, kannte diese aber gar nicht. Also das Wort nicht. Schließlich konnte er zuvor 20 Jahre lang nicht hören. Woher soll er dann wissen was eine Kastanie ist? Als ich ihm ein Bild zeigte, kannte er den Baum und die Frucht schon, wußte nur nicht wie diese heißt.

Danach war wieder Feierabend und wie die Abende zuvor stand wieder der Spaziergang mit Robin an. wie jeden Abend berichtete ich Zuhause auch von dem was über Tag passiert ist.
IMG_1302Ach so, meine Akkus samt Ladegerät waren dann auch da und ich habe sie in der Cochear Lounge2 abgeholt.
Die Lounge, da möchte ich auch noch was zu schreiben. Die Herren dort sind wirklich um einen bemüht. Egal welche Frage man hat, sie geben sich größte Mühe sie zu beantworten und einem zu helfen wo es geht.

Donnerstag, diesmal schon um 8:30 Uhr Hörtraining. Diesmal Übungen am Lautsprecher mit Störschall3
Naja, funktioniert nicht ganz so gut wie das Verstehen bei Ruhe, passt aber schon. Beim Hören im Störschall ist noch so kurzer Zeit mit dem CI kein Wunder zu erwarten.
Nach dem Hörtraining dann wieder Anpassung. Allzu viel wurde an dem Tag nicht verstellt, aber die Elektroden noch einmal komplett durchgemessen. Dabei wird festgestellt ab wann eine Elektrode „anspricht“ und wo das maximale Level liegt. Dadurch ergibt sich eine Kurve wie man sie vom Equalizer kennt.
Wenn man diese Kurve dann mit dem vergleicht wie die einzelnen Elektroden eingestellt sind, kann man etwaige Ungereimtheiten erkennen. Wer genau wissen will was da gemessen wird, kann zum Beispiel hier lesen (Google Übersetzte Webseite ECAP Sprachprozessor Programmierung)

Nachmittags stand dann der gemeinsame Museumsbesuch der Erstanpasser an. also diejenigen die daran teilnehmen wollen, ist nämlich keine Pflicht.
Der Besuch fand im Kestner Museum statt. Auch dort bekamen wir wieder Empfänger mit Induktionsschleifen ausgehändigt. Diesmal funktionierten sie wirklich gut. Ist schon klasse, diejenige die die Führung im Museum macht, quatscht einem direkt in den Kopf. Immer gleich laut, egal wie weit entfernt man von ihr steht. Das Thema war übrigens Design. Stühle, Sofas, Plattenspieler und so weiter. Ich hätte lieber die Mumien gesehen 😉 Ein Besuch lohnt sich aber auf alle Fälle dort. Nur so als Tipp, falls ihr mal in Hannover seit.

Am letzten Abend haben wir uns noch ein wenig in der Bar des Hotel zusammen gesetzt und gequatscht.

Freitag, letzter Tag.
Abschlusstest bei Frau Adams. Hierbei werden verschiedene sprachperzeptive Tests durchgeführt.
Hier die Ergebnisse:
Foto
Der Zahlentest und Satztest wurden mit CI und Hörgerät links nicht durchgeführt, weil viel besser als 95% bzw 96,2% eh nicht geht.
beim Satztest im Störgeräusch kann man sehr schön sehen wie stark das Verstehen gegenüber in Ruhe abfällt. Das liegt mit über 35% aber trotzdem im sehr guten Bereich für 5 Tage CI Hören.
Mit dem Ergebnis kann man mehr als Zufrieden sein.

Anschließend ging es dann noch mal zum Ingenieur und die Fernbedienung des CI hat ein paar Programme aufgespielt bekommen.
Dann noch Abschlussgespräch mit einem der Ärzte und ab ging es nach Hause 🙂

Fazit:
Es war eine tolle Woche mit netten CI-Patienten.
Im Hörzentrum habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt. wann immer man etwas hatte, jemanden braucht, es war immer einer da.
Das Hotel war auch sehr gut.
Im Februar muss ich ja wieder hin, diesmal nur einen Tag. Zur zweiten Anpassung.


  1. Montagsmaler war eine Sendung im Fernsehen zwischen 1974 und 1996. Wikipedia 

  2. so sieht es da aus, sehr Nobel http://www.av-messe.de/en/projects/cochlear-servicelounge.html  

  3. Störschall ist ein Hintergrundrauschen, welches das eigentlich zu hörende verzerrt 

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